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Rumänien als einziger EU-Staat gegen die europäische Biodiversitätsstrategie

Die Logos von Agent Green und Greenpeace auf weißem Hintergrund.

Rumänien als einziger EU-Staat gegen die europäische Biodiversitätsstrategie

Agent Green und Greenpeace fordern die Abgeordnetenkammer auf, den heute zur Abstimmung stehenden Beschluss abzulehnen

Bukarest, 17. November 2020 – Agent Green und Greenpeace machen die Mitglieder der Abgeordnetenkammer darauf aufmerksam, dass der heute zur Abstimmung stehende Beschluss zur europäischen Biodiversitätsstrategie die nationale Sicherheit und die biologische Vielfalt ernsthaft gefährdet und den Klimawandel verschärft. Bei diesem Beschluss geht es darum, die Ausweitung streng geschützter Flächen in Rumänien von derzeit 1% auf 10% der Landesfläche und die Erweiterung des europäischen Natura-2000-Netzes geschützter Naturgebiete von derzeit 23% auf 30% zu blockieren. Diese Ziele sollen schrittweise bis 2030 erreicht werden. Ähnliche Anteile sind auch für Meeresgebiete vorgesehen.

„Die Abgeordneten dürfen keinen Beschluss verabschieden, der die Zukunft der Natur und das Leben jedes einzelnen Bürgers gefährdet, das vom Gesundheitszustand der Umwelt abhängt. Der heute zur Abstimmung stehende Beschluss ist zutiefst antieuropäisch, entzieht Rumänien wichtige Finanzierungen, gefährdet den wirtschaftlichen Wiederaufschwung und ist in der Europäischen Union beispiellos“, warnt Gabriel Păun, Präsident von Agent Green.

Die durch den Beschluss des rumänischen Parlaments abgelehnte EU-Strategie sieht außerdem die Wiederherstellung geschädigter Land- und Meeresökosysteme in ganz Europa vor: durch einen höheren Anteil ökologischen Landbaus und biodiversitätsreicher Landschaften auf landwirtschaftlichen Flächen, die Beendigung und Umkehr des Rückgangs der Bestäuber, die Verringerung des Pestizideinsatzes und seiner schädlichen Auswirkungen um 50% bis 2030, die Wiederherstellung des natürlichen Laufs von mindestens 25 000 km der Flüsse in der EU und die Pflanzung von 3 Milliarden Bäumen bis 2030.

Ciprian Gal, Greenpeace Rumänien: „Mit Sorge erfahren wir, dass das rumänische Parlament nicht versteht, wozu uns Biodiversität dient. Wir hoffen dennoch, dass die Abgeordneten vor der Abstimmung über eine der beschämendsten Gesetzesinitiativen in der Geschichte des Umweltschutzes Zeit haben werden, ‚Biodiversität‘ zu googeln. Neben vielen Informationen, die sogar für Kinder verständlich aufbereitet sind, werden sie ‚UN‘-Berichte finden können, die von der Bedeutung der Rettung natürlicher Ökosysteme handeln.“

Darüber hinaus sieht die EU-Strategie jährlich 20 Milliarden EUR für die biologische Vielfalt aus verschiedenen Quellen vor, darunter EU-Mittel sowie nationale und private Finanzierungen. Aspekte des Naturkapitals und der biologischen Vielfalt werden in die Geschäftspraxis integriert.

Die notwendigen Maßnahmen ergreifen, damit die EU bei der Bewältigung der weltweiten Biodiversitätskrise eine globale Führungsrolle übernimmt. Die Kommission wird alle Instrumente des auswärtigen Handelns und internationale Partnerschaften mobilisieren, um auf der Konferenz der Vertragsparteien des Übereinkommens über die biologische Vielfalt 2021 einen neuen ehrgeizigen UN-Biodiversitätsrahmen zu erreichen.

Im Mai, bei der Veröffentlichung der europäischen Biodiversitätsstrategie, erklärte die Europäische Kommission: „Es ist Zeit, uns mit der Natur zu versöhnen. Die Wiederherstellung der Natur ist ein zentrales Element des EU-Aufbauplans nach der Coronavirus-Pandemie und bietet unmittelbare Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten zur Wiederbelebung der europäischen Wirtschaft. Klimawandel, Biodiversitätsverlust und die Ausbreitung verheerender Pandemien zeigen, dass dies notwendig ist.“ Biologische Vielfalt ist lebensnotwendig. Die Natur liefert uns Nahrung, Gesundheit und Arzneimittel, Materialien, Erholung und Wohlbefinden. Ein gesundes Ökosystem filtert die Luft, die wir atmen, und das Wasser, das wir nutzen, trägt zum Klimagleichgewicht bei, verwandelt Abfälle in Ressourcen, gewährleistet die Bestäubung und Düngung von Nutzpflanzen und vieles mehr. Auch für Unternehmen ist die Natur lebenswichtig: Die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) (40 000 Milliarden EUR) hängt von ihr ab. Doch durch nicht nachhaltige menschliche Aktivitäten verlieren wir biologische Vielfalt schneller als je zuvor.

Der weltweite Bestand wildlebender Arten ist um 60% in den letzten 40 Jahren zurückgegangen. 1 Million Arten sind vom Aussterben bedroht. Der Rückgang der biologischen Vielfalt und die Klimakrise bedingen einander. Die Wiederherstellung von Wäldern, Böden und Feuchtgebieten sowie die Schaffung städtischer Grünflächen sind wesentlich, um die Folgen des Klimawandels bis 2030 abzumildern.

Ein Schlüsselelement der europäischen Biodiversitätsstrategie ist die Ausweitung des Natura-2000-Netzes auf 30% der Fläche jedes Mitgliedstaats, einschließlich Rumäniens. Schätzungen zufolge unterstützt das Natura-2000-Netz 104 000 direkte Arbeitsplätze in der Verwaltung und Erhaltung geschützter Gebiete sowie weitere 70 000 indirekte Arbeitsplätze. Sie alle beruhen auf jährlichen Investitionen von 6 Milliarden EUR in Verwaltung und Wiederherstellung des Netzes. Künftig könnten die Erfordernisse der biologischen Vielfalt voraussichtlich bis zu 500 000 Arbeitsplätze schaffen. Die Wiederherstellung der Natur bedeutet direkte und indirekte Arbeitsplätze, die den lokalen Gemeinschaften neues Leben einhauchen.

Wirtschaftliche Vorteile der Umsetzung der Biodiversitätsstrategie

  • Zwischen 200 und 300 Milliarden EUR beim jährlichen Wert des Natura-2000-Naturschutznetzes.

  • Einsparungen von rund 50 Milliarden EUR jährlich für die Versicherungsbranche durch geringere Hochwasserschäden dank des Schutzes küstennaher Feuchtgebiete

  • Erhalt des Werts von sechs Wirtschaftszweigen, deren Wert zu mehr als 50% von der Natur abhängt: Chemikalien und Materialien; Luftfahrt, Reisen und Tourismus; Immobilien; Rohstoffgewinnung und Metallverarbeitung; Lieferkette und Verkehr; Einzelhandel, Konsumgüter und Lebensstil

Zu den wirtschaftlichen und sozialen Kosten des Nichthandelns gehören der Verlust der biologischen Vielfalt und der Zusammenbruch von Ökosystemen, zwei der größten Bedrohungen für die Menschheit im kommenden Jahrzehnt. Schätzungen zufolge verlor die Welt im Zeitraum 1997-2011 jährlich 3,5-18,5 Billionen EUR bei den Ökosystemleistungen und rund 5,5-10,5 Billionen EUR infolge der Bodendegradation. Biologische Vielfalt bildet die Grundlage der Ernährungssicherheit in der EU und weltweit. Die Risiken des Biodiversitätsverlusts gefährden unsere Ernährungssysteme und unsere Ernährung.

Den Beschluss der Abgeordnetenkammer finden Sie hier (PDF auf Rumänisch, archivierte Fassung):
https://www.cdep.ro/pls/proiecte/docs/2020/ph068_phcd68.pdf?fbclid=IwAR0y9aG5KbzmatZLrIUWW_NTczxZyXEQaZT4fFRaKj4TMtIPKMukvA62U7c

Die europäische Biodiversitätsstrategie finden Sie hier:
https://ec.europa.eu/info/strategy/priorities-2019-2024/european-green-deal/actions-being-taken-eu/eu-biodiversity-strategy-2030_ro#documents

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