
Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zu Tanczos Barna
Agent Green und die Koalition für Tierrechte fordern einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu Tanczos Barna.
Der UDMR-Senator hat die Umsetzung des Nationalen Plans zur Erhaltung der Bärenpopulation blockiert
Bukarest, 25. September 2023 – Agent Green und die rumänische Koalition für Tierrechte sind besorgt über die Verfolgung des Braunbären, die ein beispielloses Ausmaß erreicht hat. Sie machen Tanczos Barna in seiner Eigenschaft als Senator und ehemaliger Umweltminister unmittelbar für die entstandene Lage verantwortlich. Das Umweltministerium genehmigte im Juli 2018 unter Grațiela Leocadia Gavrilescu den Nationalen Plan zur Erhaltung der Bärenpopulation[1]. Sowohl Frau Gavrilescu als auch Costel Alexe, die beiden Vorgängerminister, unternahmen wichtige Schritte zur Umsetzung des Plans. Tanczos Barna blockierte ihn jedoch während seiner Amtszeit als Minister vollständig (Dezember 2020 – Juni 2023). Der Mensch-Bär-Konflikt verschärfte sich und erreichte genau während Barnas Amtszeit seinen Höhepunkt.
Vor diesem Hintergrund missbilligen die Koalition und die Tierschutzvereine den aktuellen Vorstoß von Senator Tanczos Barna im rumänischen Parlament, ein Gesetz zur Wiedereinführung der Trophäenjagd auf Bären voranzutreiben[2]. Der Gesetzentwurf wird am Dienstag, dem 26. September, im Ausschuss für Wasser, Wälder, Fischerei und Wildbestand beraten. Die Sitzung ist rechtswidrig, weil die Zivilgesellschaft nicht eingeladen wurde, obwohl die einzigen Fachleute mit Promotions- und Postdoktorandenstudien zum Thema „Braunbär“ aus NGOs stammen. Nach Auffassung der Koalition muss der Gesetzentwurf gestoppt und stattdessen eine parlamentarische Untersuchung zu den negativen Auswirkungen von Tanczos Barnas Tätigkeit auf Bären und Menschen eingeleitet werden.
„Ich vermute, dass Tanczos Barna enttäuscht ist, weil die Rumänische Akademie seine Jagdquote während seiner Ministerzeit nicht bestätigt hat. Jetzt, da er nur noch Parlamentarier ist, drängt es ihn, ein Gesetz durchzusetzen, das die Wissenschaft umgeht, falls es ihm nicht gelingt, sie zu korrumpieren oder einzuschüchtern. Sein Gesetzentwurf zeigt nicht nur Verzweiflung, sondern auch sein Hauptziel in der nationalen Politik: seine Besessenheit von der Freigabe der Trophäenjagd auf Bären. Ich vermute auch, dass nicht alle Parlamentarier Jäger sind und dass sich mindestens 50 aus zwei Fraktionen finden werden, um Barnas Tätigkeit zu untersuchen, die ich für kriminell halte. Wenn das Parlament nicht reagiert, werden wir das Ministerium wegen der Nichtumsetzung des Plans verklagen und Barna bei der DNA anzeigen, denn das gesamte vergossene Blut der Bären, Menschen und Hoftiere klebt an seinen Händen“, kündigte Gabriel Păun, Präsident von Agent Green und Vertreter der Koalition für Tierrechte, an.
Der Nationale Plan mit Maßnahmen zum Zusammenleben umfasst auch das Programm „Koexistenz“, das über die Verwaltung des Umweltfonds (AFM) finanziert werden sollte und Landwirte unmittelbar bei der Ausstattung mit Schutzmitteln gegen Bären unterstützt. Hier sind nur einige der vom Ministerium übernommenen Verpflichtungen, veröffentlicht im Amtsblatt 549 bis vom 2. Juli 2018:
- a) Bereitstellung verlässlicher Daten als wissenschaftliche Entscheidungsgrundlage,
- b) Erhaltung einer stabilen Bärenpopulation,
- c) Schutz der spezifischen natürlichen Lebensräume und ihrer Qualität,
- d) Erhaltung des natürlichen Verhaltens und Vermeidung der Gewöhnung/Konditionierung einzelner Bären,
- e) Verhütung und Verringerung von Konflikten,
- f) Sicherstellung der ökologischen Vernetzung im Verbreitungsgebiet der Art auf nationaler und regionaler Ebene,
- g) Information und Sensibilisierung der örtlichen Bevölkerung,
- h) Einbeziehung der Interessenträger in Entscheidungen,
- i) Verbesserung der Gesetzgebung und Sicherstellung der Umsetzung und Einhaltung der Rechtsvorschriften,
- j) Einbeziehung von Maßnahmen zur Erhaltung der Bärenpopulation in andere Tätigkeitsbereiche,
- k) Stärkung der institutionellen Kapazität und der Zusammenarbeit der zuständigen Behörden/Institutionen.
Alle diese Verpflichtungen liegen beim Umweltministerium. Es muss für die Ergänzung/Änderung des gesetzlichen Rahmens sowie für die zur Umsetzung des nationalen Aktionsplans erforderlichen Instrumente sorgen.
Die einzige von Barna freigegebene Maßnahme ist die Aufstellung von 1000 Elektrozäunen, nachdem er den Jäger József-Tamás Fodor zu seinem persönlichen Berater gemacht hatte. Dieser teilte mit seiner Frau ein Jagdunternehmen, das auch Elektrozäune und Tierfallen herstellt [3].
„Ich habe Tanczos Barnas Ziel geahnt. Deshalb haben wir den Fall des Bären Arthur untersucht und veröffentlicht, der von einem Prinzen aus Liechtenstein getötet wurde, obwohl die Trophäenjagd illegal war. Dieser Fall zeigte Barnas wahres Gesicht, und alles, was folgte, zeigt, dass er einen gut ausgearbeiteten Plan hatte. Er blockierte nicht nur den Plan, den er umsetzen musste, sondern wurde zum Anstifter Nummer 1 der Verfolgung des Braunbären. Die Lage entwickelte sich zu einer allgemeinen Hysterie, die die mangelnde Bildung der Öffentlichkeit und die mangelnde Vorbereitung der Behörden offenlegte. Die Menschen zwischen Karpaten, Donau und Schwarzem Meer haben Jahrtausende mit dem Bären zusammengelebt, doch erst während Barnas Amtszeit geriet die Lage völlig außer Kontrolle“, ergänzte Păun.
Letzte Woche wurden die vorläufigen Ergebnisse der auf genetischen Proben beruhenden Bärenzählung öffentlich. Sie belegen, dass Tausende Bären in Rumänien keinen geeigneten Lebensraum haben[4]. Die Studie zeigt, dass trotz landesweiter Bemühungen nur für die Existenz von 3000 Bären Belege gefunden wurden, also weit weniger als angenommen.
„Die Studie sagt nichts über die Alters- und Geschlechtsstruktur der Art aus, sondern nur über eine vorläufige Populationsgröße, die uns beunruhigt. Die wahrscheinlichste Deutung der vorläufigen Ergebnisse ist, dass neben der Zerstörung des Lebensraums und dem Klimawandel die Verfolgung durch Menschen die größte Bedrohung für den Bären ist. Sie sind keineswegs zahlreich, sondern stark gehetzt und verzweifelt“, schloss Păun.
Agent Green und die Koalition für Tierrechte fordern:
1. Das rumänische Parlament soll einen Untersuchungsausschuss zu Tanczos Barnas Tätigkeit einrichten.
2. Das Umweltministerium soll den Nationalen Plan zur Erhaltung der Bärenpopulation dringend aktualisieren und umsetzen sowie die Verordnung Nr. 2183/2023 zur Genehmigung der Eingriffs- und Präventionsniveaus für die Art Braunbär aufheben, um diese Art zu retten.
Pressekontakte:
Gabriel PĂUN, Präsident von Agent Green, gabriel.paun@agentgreen.org
Cătălina RĂDULESCU, Rechtsanwältin von Agent Green, catalina@agentgreen.org, 0740161116
Liste der Mitgliedsorganisationen der Koalition für Tierrechte, die diese Pressemitteilung unterzeichnen:
- Asociația A doua șansă Râmnicu Vâlcea
- Asociația Ajutați-l pe Lăbuș Galați
- Asociația Animal Shields Oradea
- Animals International
- Asociația Arca lui Norocel Câmpina
- Asociația Arca lui Noe Cluj
- Asociația Be Human Vatra Dornei
- Asociația CARE4ALL
- Asociația Casa lui Patrocle Suceava
- Asociația Cezar
- Asociatia Codite Fericite Adjud
- Asociația Cuțu Cuțu București
- Asociația Fiona și Prietenii Adjud
- Asociația Free Life Satu Mare
- Asociația Green Cats
- Asociația Hapluț și prietenii Buzău
- Asociația Happy Tails Timișoara
- Asociația Kola Kariola
- Asociația Nas rece inima caldă
- Asociația Negrilica
- Asociația Nuca Animal Welfare, Cluj-Napoca
- Asociația Pas în doi Onești
- Asociația Phoenix APHC
- Asociația Polaris, Târgu Neamț
- Asociația Proanima Suceava
- Asociația Save & Smile, Mureş
- Asociația Save Our Paws
- Asociația Seelen fur Seelchen Bârlad
- Asociația Sf Mucenic Trifon, Ocrotitorul Animalelor
- Asociația Suflete Dragi, București
- Asociația Suntem Vocea Lor, Sighetul Marmației
- Asociația Și ei au dreptul la viață Falticeni
- Asociația Trei Frați Pătați Turda
- Asociația The Voice For The Voiceless – Vocea Necuvântătoarelor
- Asociația Toto și Pufi
- Asociația Youth for Neamț
- Federația pentru Protecția Animalelor și Mediului – România
[1] Nationaler Plan zur Erhaltung der Bärenpopulation:
https://legislatie.just.ro/Public/DetaliiDocumentAfis/203513
[2] Der UDMR-Senator will die Jagd auf Grundlage von Quoten wiedereinführen:
https://www.hotnews.ro/stiri-politic-26552388-tanczos-barna-depune-parlament-proiect-privind-controlul-populatiei-ursi-senatorul-udmr-vrea-reintroducerea-vanatorii-baza-unor-cote.htm
[3] Unregelmäßigkeiten im Umweltministerium: József-Tamás Fodor, Berater von Tanczos Barna, besitzt ein auf die Jagd spezialisiertes Unternehmen: https://investigatoria.ro/2022/01/28/anomaliile-de-la-ministerul-mediului-jozsef-tamas-fodor-consilierul-lui-tanczos-barna-detine-o-firma-specializata-in-vanatoare/
[4] Vorläufige Ergebnisse der auf genetischen Proben beruhenden Bärenzählung belegen, dass Tausende Bären in Rumänien keinen geeigneten Lebensraum haben: https://flux24.ro/rezultatele-preliminare-ale-recensamantului-ursilor-bazat-pe-probe-genetice-dovedesc-ca-mii-de-ursi-din-romania-nu-au-un-habitat-adecvat/
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