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Schutz der Urwälder

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Rumänien beherbergt den größten Teil der letzten Ur- und nahezu unberührten Wälder des gemäßigten Europas — Ökosysteme von unschätzbarem Wert für biologische Vielfalt, Klima und Europas Naturerbe. Ihr Schutz war jedoch von Verzögerungen, Verwaltungsblockaden und unwiederbringlichen Verlusten geprägt.

Wo wir heute stehen

Der Nationale Katalog der Ur- und nahezu unberührten Wälder, das offizielle Schutzinstrument, wurde langsam und gemessen am tatsächlichen Schutzbedarf unzureichend erweitert.

  • •Die Katalogfläche ist in den vergangenen Jahren gewachsen und überschritt etwa 70.000 Hektar
  • •Wissenschaftliche Schätzungen gehen von Hunderttausenden Hektar Wald mit Merkmalen von Primärwäldern oder nahezu unberührten Wäldern aus
  • •Das ursprüngliche Ziel von 1999 — 400.000 Hektar unter strengem Schutz — ist noch weit entfernt

Zugleich hat die Europäische Union mit ihrer Biodiversitätsstrategie 2030 die Verpflichtung zum strengen Schutz von mindestens 10 % der Landflächefestgelegt, einschließlich aller Primär- und Altwälder. Rumänien erfüllt diese Verpflichtung weder qualitativ noch quantitativ.

400.000 ha

1999 für strengen Schutz vorgeschlagen

~70.000 ha

heute im Katalog — unter 18 %

Siehe auch die Kampagne Rumäniens lebendes Rückgrat zum größeren Zusammenhang der Waldzerstörung in Rumänien.

Chronologie eines Verwaltungsversagens

1999 – Die erste große Zusage

Die Nationale Strategie für nachhaltige Entwicklung schlägt den Schutz von 400.000 ha Urwald vor.

2016 – Einrichtung des Nationalen Katalogs

Der offizielle Mechanismus zur Erfassung und zum Schutz von Ur- und nahezu unberührten Wäldern wird geschaffen.

2016–2021 – Blockaden und Verluste

  • • NGOs und unabhängige Fachleute erfassen und dokumentieren Zehntausende Hektar
  • • 24.260 ha werden offiziell zur Aufnahme vorgeschlagen
  • • Die meisten Studien werden abgelehnt, zurückgeschickt, verwaltungstechnisch blockiert oder gehen sogar verloren

Die schwerwiegendsten dokumentierten Fälle:

  • ✗8.890 ha direkt abgelehnt
  • ✗10.543 ha zurückgeschickt
  • ✗über 4.000 ha aus den Unterlagen der Institutionen „verschwunden“

2021–heute – Langsamer Fortschritt, europäischer Druck

  • • Die geschützte Fläche wächst, aber zu langsam
  • • Die EU leitet Vertragsverletzungsverfahren gegen Rumänien wegen illegalen Holzeinschlags und Waldschädigung in Natura-2000-Gebieten ein
  • • Der Druck zur vollständigen Kartierung von Primärwäldern und zu automatischem statt bürokratischem Schutz steigt
Infografik von Agent Green: Wo sind die in Studien vorgeschlagenen Urwälder? Von 30.336 ha eingereichten Studien gelangten nur 6.075 ha in den Nationalen Katalog
Wo sind die in Studien vorgeschlagenen Urwälder? — Infografik von Agent Green

Das systemische Problem: Bürokratie, die den Wald zerstört

Die Aufnahme in den Katalog bleibt langsam, undurchsichtig und anfällig für institutionelle Blockaden.

In der Vergangenheit waren die amtlichen Angaben der Institutionen widersprüchlich:

~9.300 ha

Umweltministerium: geprüfte Hektar

~24.000 ha

Forstaufsichtsbehörden: dokumentierte Hektar

Diese Diskrepanz wurde nie vollständig erklärt. Währenddessen wurden bereits für den Schutz erfasste Wälder weiter genutzt.

Der tatsächliche Preis: für immer verlorene Wälder

In vielen Fällen führte verzögerter Schutz unmittelbar zu:

  • Holzeinschlag in wissenschaftlich dokumentierten Gebieten
  • Zerschneidung intakter Ökosysteme
  • Verlust einzigartiger biologischer Vielfalt

Das Beispiel der Wälder von Colții Bâlei bleibt bezeichnend:

  • zunächst zur Aufnahme akzeptiert
  • später aus den Unterlagen gestrichen
  • inzwischen durch Holzeinschlag geschädigt
Infografik von Agent Green: Aufschlüsselung der eingereichten Studien — Insgesamt 30.336 ha: 29,31 % abgelehnt (8890 ha), 34,75 % an die Verfasser zurückgeschickt (10544 ha), 13,37 % von Behörden verloren (4056 ha), 2,54 % in Prüfung (770 ha), 20,03 % akzeptiert (6075 ha)
Aufschlüsselung der eingereichten Studien: Von 30.336 ha wurden nur 20 % akzeptiert — Infografik von Agent Green

Die Stimme von Agent Green

„Dieses Versagen ist kein Zufall. Es ist die direkte Folge fehlenden politischen Willens. Vor unseren Augen verschwinden Europas letzte intakte Wälder.“

„Zu wenige Wälder wurden geschützt, und viele davon nur infolge öffentlichen Drucks und unserer direkten Einsätze vor Ort.“

— Gabriel Păun, Präsident von Agent Green

Europäischer Kontext: klare Pflichten, schwache Ergebnisse

Rumänien hat verbindliche Pflichten:

  • •Primärwälder gemäß der EU-Biodiversitätsstrategie schützen
  • •Die Natura-2000-Gesetzgebung einhalten
  • •Den Verlust biologischer Vielfalt bis 2030 stoppen

Dennoch ist die Umsetzung verspätet, der Schutz unvollständig und die Nutzung geht selbst in sensiblen Gebieten weiter.

Was dringend geschehen muss

Agent Green fordert:

1
Sofortigen Schutz

Alle erfassten Primärwälder müssen automatisch geschützt werden, ohne langwierige bürokratische Verfahren.

2
Vollständige Bestandsaufnahme

Transparente landesweite Kartierung unter Beteiligung der unabhängigen Wissenschaft.

3
Stopp des Holzeinschlags

Moratorium für die Nutzung hochwertiger Wälder, wirksame Kontrollen und Sanktionen.

4
Ausrichtung an den EU-Zielen

Erreichen von 10 % strengem Schutz und ein tatsächlicher Beitrag zu den Klima- und Biodiversitätszielen.

Rumänien trägt in Europa eine besondere Verantwortung: den Schutz der letzten Urwälder der gemäßigten Zone.

Jedes Jahr Verzögerung bedeutet verlorene Hektar, zerstörte Ökosysteme und verpasste Chancen.

Der Schutz dieser Wälder ist keine Option mehr. Er ist dringend notwendig.

Die Waldvision von Agent Green für Rumänien (PDF)

Externe Ressourcen