
AGENT-GREEN-BERICHT: Heuchelei. IKEAs zynische Zerstörung der rumänischen Altwälder
Protest bei der Eröffnung eines neuen IKEA-Geschäfts (Fotos vom Protest werden im Laufe des heutigen Tages verfügbar sein).
26. August 2021, Wien, Bukarest – Agent Green veröffentlicht heute den Untersuchungsbericht zur vorsätzlichen Schädigung der Altwälder in Rumänien, die IKEA gehören. Der Bericht „Heuchelei. IKEAs zynische Zerstörung der rumänischen Altwälder“ zeigt systemische Probleme der Waldbewirtschaftung in mehreren rumänischen Wäldern im Besitz des schwedischen Unternehmens auf. In den vergangenen 2 Jahren dokumentierten die Ermittler von Agent Green detailliert mehrere Verstöße gegen Forst- und Umweltschutzgesetze. Diese Verstöße wirken sich negativ auf örtliche Lebensräume aus. Ein Teil dieser IKEA-Waldflächen ist wegen seiner Bedeutung für den Schutz der Tierwelt als Schutzgebiet ausgewiesen.
Den Bericht auf Rumänisch hier herunterladen: 20210826_ipocrizia_IKEA RO
Den Bericht auf Englisch hier herunterladen: 20210826_IKEA_hipocrisy_EN
„In früheren Untersuchungen haben wir gezeigt, wie Holz aus Urwäldern des rumänischen Staates im Țarcu-Gebirge in IKEA-Möbeln weltweit landet, nachdem es von einem örtlichen Unternehmen gefällt, im Kronospan-Werk in Sebeș zu Platten verarbeitet und im Ecolor-Werk in Cluj zu Möbeln zusammengebaut wurde. Heute zeigen wir, dass IKEA selbst in den eigenen Wäldern nicht sorgsamer handelt. Das Unternehmen ist genauso heuchlerisch: Die Diskrepanz zwischen Versprechen und Wirklichkeit ist geradezu zynisch und sein Geschäft undurchsichtig“, wirft Gabriel Păun, Präsident von Agent Green, dem Unternehmen vor.
Sehen Sie die frühere Recherche „Cash Investigation“, eine Zusammenarbeit von France 2 und Agent Green: https://dai.ly/x59qar9
Der heute veröffentlichte Bericht wird auch der österreichischen Presse in Wien vorgestellt, wo IKEA am Westbahnhof ein neues Geschäft eröffnet. Zur Eröffnung werden 2000 Käufer erwartet. Agent Green, Extinction Rebellion und Lieferkettengesetz protestieren aus diesem Anlass und informieren die Öffentlichkeit über IKEAs mangelnde Transparenz und zerstörerische Politik. Die Protestierenden zeigen mehrere Transparente, darunter ein riesiges mit der Botschaft „IKEA, STOP TRASHING ROMANIAN OLD-GROWTH FORESTS / IKEA, STOPPT DAS MASSAKER IN RUMÄNIENS ALTWÄLDERN“.
„Die groteske Art, wie IKEA sich mit seinem neuen Wiener Geschäft als nachhaltig darstellt, ist das perfekte Beispiel dafür, wie multinationale Konzerne Verbrechen in ihren Produktionsketten durch Imagepflege zu verdecken versuchen. Die illegale Herkunft des Holzes wurde wiederholt dokumentiert, mit klaren Beispielen aus Sibirien, der Ukraine und Rumänien. Die Zeit konzerneigener Labels geht zu Ende. Wir brauchen ein neues Gesetz, das die Herkunft aller Materialien aufzeigt und Unternehmenschefs und Vorstände persönlich rechtlich verantwortlich macht, wenn sie Produkte auf den Markt bringen, für die Natur und Beschäftigte misshandelt wurden. Wäre dieses Gesetz bereits in Kraft, müsste der IKEA-Chef in Österreich Milliarden zahlen und ins Gefängnis, weil er Möbel aus illegalem rumänischem Holz verkauft. In den kommenden Jahren werden wir uns darauf konzentrieren, dies gesetzlich zu verankern“, sagte Veronica BOHRN MENA, Sprecherin von Lieferkettengesetz, Österreich.
Aufgrund der gesammelten Beweise kann Agent Green schlussfolgern, dass IKEA Forstpraktiken betreibt, die minimale Anforderungen an die Beschäftigten und Subunternehmer stellen, die auf Unternehmensflächen tätig sind, und dadurch der Umwelt, den Gemeinden und geschützten Naturgebieten schaden. Einige dieser Zerstörungen geschehen innerhalb oder in der Nähe von durch die EU ausgewiesenen Natura-2000-Gebieten, die nach EU-Richtlinien geschützt sein sollten. Dies gilt auch für den Wald Valea Neagră, der unmittelbar neben dem Dorf Târâtu im Kreis Vrancea und dem Natura-2000-Schutzgebiet kahlgeschlagen wurde. In diesem Gebiet richten Erdrutsche schwere Schäden an, und IKEAs Einschläge drohen die Gemeinde vollständig zu isolieren, die nur durch eine einzige Straße mit der Außenwelt verbunden ist. Die Fällungen wurden ohne genehmigten Forsteinrichtungsplan und ohne Umweltverträglichkeitsstudie durchgeführt.

Kahlschlag im Jahr 2021 auf IKEA-Grund unmittelbar neben dem Dorf Târâtu im Kreis Vrancea
Noch besorgniserregender ist, dass IKEA derzeit die Wald- und Biodiversitätsstrategien der EU für 2030 nicht berücksichtigt. Die Strategie verlangt den strengen Schutz aller verbliebenen Primär- und Altwälder. IKEA scheint stattdessen aktiv die Nutzung der Altwälder auf seinen Flächen voranzutreiben, bevor ein strenger gesetzlicher Schutz umgesetzt wird.
Agent Green analysierte IKEAs Forsteinrichtungsplan für die Flächen innerhalb des Natura-2000-Gebiets Penteleu. Der Plan priorisiert die Fällung der meisten Waldparzellen mit einem durchschnittlichen Baumalter zwischen 120 und 180 Jahren. Sie sollen wegen einer sogenannten „Verjüngungsdringlichkeit“ „dringend“ genutzt werden, was tatsächlich eine Politik zur Ausbeutung von Altwäldern ist.
„Mitten in der Klimakrise schlägt IKEA vorrangig Altwälder kahl – also jene Wälder, die gegenüber wetterbedingten Herausforderungen am widerstandsfähigsten und reich an Biodiversität sind, den meisten Sauerstoff produzieren, Wasser und Boden schützen und den meisten Kohlenstoff speichern. Was IKEA tut, ist kriminell“, ergänzte Păun.
Diese Politik der dringenden Nutzung der betreffenden Wälder scheint allein auf der Annahme zu beruhen, dass manche Bäume nach 120 Jahren an Handelswert verlieren. Bei bestimmten Baumarten ist dies jedoch das Alter, in dem Wälder ihren größten Wert für die Biodiversität aufzubauen beginnen, insbesondere für Tierarten wie Vögel, Säugetiere und Insekten, die auf Altwälder angewiesen sind.
Andere ähnliche Forsteinrichtungspläne scheinen ebenfalls Altwälder im gesamten Waldportfolio von IKEA zu betreffen, einschließlich jener in geschützten Natura-2000-Gebieten.
Agent Green fordert IKEA auf, seine Waldstrategie dringend zu ändern und einen strengen Schutz der Altwälder zuzulassen. Die rumänischen Behörden und die Anteilseigner des Unternehmens sollten unverzüglich handeln, um weitere irreversible Schäden in bestimmten, in diesem Bericht genannten Gebieten zu verhindern.
Die Organisation fordert IKEA zudem auf, die Standards umzusetzen, deren Einhaltung das Unternehmen behauptet, und seine Waldstrategie für geschützte Natura-2000-Gebiete zu ändern. Als Verwalter einiger der letzten Altwälder Rumäniens sollte das Unternehmen dem Arten- und Lebensraumschutz Vorrang vor seinen wirtschaftlichen Interessen und der Holznutzung geben. Außerdem sollte IKEA anerkennen, dass die als progressiv bezeichneten Hiebe tatsächlich Kahlschläge sind.
Für Natura-2000-Gebiete auf IKEA-Flächen wünscht Agent Green, dass Kahlschläge und progressive Hiebe auf unbestimmte Zeit eingestellt und Primär- und Altwälder streng geschützt werden. Außerhalb dieser Gebiete, wo Holzeinschlag erlaubt ist, empfiehlt die Organisation selektive Einschläge nach dem Konzept Forever Forest (auf Rumänisch)
IKEA besitzt rund 50.000 Hektar Wald in Rumänien, ist damit der größte private Waldeigentümer und trägt folglich eine große soziale Verantwortung.
Pressekontakte:
Mircea BARBU, Leiter der Ermittlungen bei Agent Green, mircea.barbu@agentgreen.org, 0721777188
Veronica BOHRN MENA, Sprecherin von Lieferkettengesetz, info@lieferkettengesetz.at, 00436603202086
Josef ETZELSDORFER, Extinction Rebellion, 00436803322628
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