
Der „Krebs“ hat auch den Nationalpark Călimani erfasst: 70.000 m3 Holz im letzten Jahr geschlagen
Das Umweltministerium muss Romsilvas Leitung der Nationalparkverwaltung beenden, um den Rest des nationalen Naturerbes zu retten
Bukarest, 18. Oktober 2018 – Agent Green und EuroNatur schlagen erneut Alarm: Die letzten weiten Wildnisgebiete, die Nationalparks Rumäniens, werden mit Romsilvas Zustimmung zerstört und illegal abgeholzt, während das Umweltministerium dies duldet. Eine neue Recherche von Agent Green deckt den massiven Holzeinschlag im Nationalpark Călimani in den Ostkarpaten auf.
In den Aufnahmen erklärten Mitarbeiter der Umweltschutzagenturen, dass ein großer Teil des Holzeinschlags in den alten Waldgebieten von Călimani rechtswidrig erfolgte, da die Forsteinrichtungspläne keine umweltrechtlichen Stellungnahmen hatten und auch nicht durch einen Ministerialerlass legalisiert waren.
Inoffiziell wurden 2017 mehr als ungefähr 70.000 Kubikmeter Holz aus dem Nationalpark Călimani entnommen, also etwa das Äquivalent von 200 Hektar kahlgeschlagenem altem Wald. „Die Situation in Călimani ist völlig außer Kontrolle geraten. Das Ausmaß der Naturzerstörung und das mangelhafte Management von RNP Romsilva sind dramatisch und nicht hinnehmbar“, lautet die gemeinsame Auffassung von EuroNatur und Agent Green. Die Organisationen fordern das Umweltministerium auf, die mit Romsilva geschlossenen Managementverträge für die 12 Nationalparks Rumäniens sofort zu kündigen, den kommerziellen Holzeinschlag in den Parks zu verbieten und endlich das reiche Erbe an biologischer Vielfalt zu schützen, über das Rumänien als Mitglied der Europäischen Union noch verfügt.
Der Agent-Green-Rechercheur Andrei Ciurcanu besuchte den Nationalpark Călimani in den vergangenen zwei Jahren und hielt fest, wie die alten Wälder von Jahr zu Jahr verschwinden. Bei seinen Feldrecherchen 2017-2018 entdeckte er missbräuchlichen Holzeinschlag mitten im Nationalpark, Kahlschläge, Forststraßen, die Flussbetten zerstörten und Berggewässer verunreinigten, aggressive Holzseilbahntrassen sowie Wanderwege, die in Holzsammel- und Lagerplätze umgewandelt wurden.
Die Recherche von Agent Green liefert neue belastbare Belege für die vorsätzliche Zerstörung des Parks und Verstöße gegen geltendes Recht und die Bestimmungen der Managementpläne des Naturgebiets. Während ihrer Recherchen trafen die Rechercheure Mitarbeiter des Parks und der Forstbezirke, die Angst äußerten, über die Rechtsverstöße im Park zu sprechen. Darüber hinaus erklärte ein staatlicher Mitarbeiter unter Schutz seiner Identität, dass vor 20 Jahren, als ein heftiger Sturm eine große Waldfläche im Park traf, „Romsilva-Mitarbeiter das Holz einem türkischen Unternehmen versprachen. Die Holzauktionen wurden verzögert, um den Türken eine Chance zu geben, und eine Borkenkäferinvasion befiel das umgestürzte Holz und weitere gesunde Bäume. Nach 2 Jahren wurde doppelt so viel Holz eingeschlagen, wie der Wind umgeworfen hatte“, berichtete der Mitarbeiter. Das vom Windwurf und der Borkenkäferepidemie (ipidae) betroffene Gebiet hat sich bis heute nicht regeneriert; Hunderte Hektar sind weiterhin ohne Wald.
Peter Abran war Mitglied des Wissenschaftlichen Rats des Parks Călimani und ist Biodiversitätsspezialist bei der Umweltschutzagentur Mureș. Er wollte nicht darüber sprechen, wie er und andere Mitglieder aus dem Wissenschaftlichen Rat entfernt wurden, weil sie sich gegen den Holzeinschlag im Park stellten. Er erklärte jedoch, dass der Holzeinschlag in bestimmten Parkgebieten rechtswidrig gewesen sei. „Die Forsteinrichtungspläne haben weder eine umweltrechtliche Stellungnahme noch einen Ministerialerlass, der sie legalisiert. Fehlen diese beiden Elemente, halte ich die Einschläge beispielsweise im Gebiet Răstolița für illegal.“
Die Kommissare der Umweltwache bestätigten die Aussagen des ehemaligen Mitglieds des Wissenschaftlichen Rats. Nach einer Kontrolle in diesem Jahr erklärten sie, dass die Forsteinrichtungspläne des Forstbezirks Răstolița, wo die aggressivsten Einschläge stattfinden, weder umweltrechtliche Stellungnahmen noch einen Ministerialerlass haben. RNP Romsilva müsse das Umweltrecht einhalten und sich an die Anforderungen des Managementplans des Parks halten.
„Das Umweltministerium hat die Nationalparks Romsilva überlassen, ohne ihnen ein Verwaltungsbudget zu geben. Da Romsilva nur etwas von Forstwirtschaft versteht, finanziert sie ihre Parkverwaltungen ausschließlich aus geschlagenem und verkauftem Holz. Romsilva begräbt und zerstört die Nationalparks buchstäblich. Diese Wälder machen unser Land stolz, erfreuen unsere Augen, liefern saubere Luft und Wasser, bieten Erholung und sind die Heimat Tausender Tier- und Pflanzenarten. Das Ministerium kann die aggressive Art ihrer Verwaltung durch Romsilva nicht länger dulden. Wir fordern die sofortige Kündigung der mit Romsilva geschlossenen Managementverträge. Rumänien wird 2019 die Präsidentschaft der Europäischen Union übernehmen. Wir werden Rumänien wegen seines Umgangs mit den Schutzgebieten bloßstellen“, erklärte Gabriel Păun, Präsident von Agent Green.
„Die Tragödie in den alten Wäldern und Urwäldern Rumäniens ist ein Drama, das die Entscheidungsträger zu lange ignoriert haben. Im Fall Rumäniens sprechen wir von einer der schwersten Umweltkrisen, die ein EU-Land durchlebt. Klimawandel, Dürre und Brände werden Natur und Wälder zunehmend beeinträchtigen. Das ist eine Realität, mit der wir in den vergangenen Jahren und insbesondere in diesem Jahr konfrontiert waren. Deshalb müssen wir die alten Wälder und Urwälder retten, die noch intakt sind. Wenige Wochen vor der Klimakonferenz in Katowice rufen wir die EU auf, einzugreifen und das Massaker in den alten Wäldern der rumänischen Nationalparks zu stoppen“, erklärte Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur.
Agent Green und EuroNatur fordern das rumänische Umweltministerium erneut auf, alle kommerziellen Holzeinschläge in Nationalparks sofort zu stoppen, RNP Romsilva die Verwaltung dieser geschützten Naturgebiete zu entziehen, tragfähige Systeme zum Schutz der Ökosysteme einzuführen, die ANANP für die Übernahme der Nationalparkverwaltung zu finanzieren und privaten Eigentümern, deren Wälder innerhalb der Nationalparkgrenzen liegen, Entschädigungen zum angemessenen Wert zu gewähren.
Die Kampagne Un dezastru Național / Out of Control wird mit neuen Recherchen zur Zerstörung der Nationalparks unter dem verheerenden Management von RNP Romsilva fortgesetzt.
Die bisherigen Recherchen von Agent Green und EuroNatur in den Nationalparks finden Sie unter den folgenden Links:
Ep 1 – Domogled – Valea Cernei
Ep 2 – Semenic Cheile Carașului
Ep 3 – Cheile Nerei – Beușnița
Website von Agent Green: https://www.agentgreen.ro/
Kontakt: office@agentgreen.org
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