
Agent Green stellt seine Vision für Rumäniens Wälder vor
Bukarest, 6. Juli 2020 – Agent Green stellt heute seine Vision für Rumäniens Wälder vor. Das Dokument umfasst eine ganzheitliche Bestandsaufnahme der aktuellen Lage sowie konkrete Ziele, die nationale Sicherheit, die Gesundheit der Bevölkerung und der Biodiversität, die Beendigung der von der Europäischen Kommission eingeleiteten Vertragsverletzungsverfahren und die Bekämpfung des Klimawandels und von Naturgefahren ermöglichen können.
„Wir haben diese kompromisslose Analyse und ehrgeizige Vision gemeinsam mit Fachleuten aus Naturwissenschaften und Forstwirtschaft erarbeitet, die in Verwaltung und Forschung tätig sind. Es sind Menschen guten Willens, die die Geschicke der Natur lenken sollten, statt selbst gelenkt zu werden. Sie fürchten um ihre Karriere und Sicherheit. Deshalb haben wir entschieden, dass ausschließlich unsere Organisation die Verantwortung für dieses Dokument übernimmt und es heute dem Umweltminister persönlich überreicht“, sagte Gabriel Păun, Präsident von Agent Green.
Rumäniens Wälder befinden sich im Niedergang, und die Forstwirtschaft entwickelt sich rückwärts. Die heutige Forstverwaltung und -forschung sind leistungsschwach und durch politische Einmischung tiefgreifend beeinträchtigt. Der illegale Holzeinschlag ist außer Kontrolle, während die Behörden nur 1 % davon aufdecken. Jährlich wird mehr Holz verbrannt als legal geschlagen, und es wurden große Anlagen zur nichtintensiven Holzverarbeitung gebaut, die einen beispiellosen Druck auf den Wald ausüben. Der illegale Holzeinschlag wurde trotz der Bemühungen einiger staatlicher Stellen und des öffentlichen Drucks nicht einmal verlangsamt. Es gibt keine eigens für Umweltfragen zuständige Justiz, und die derzeitige Gesetzgebung bestraft die Ersteller von Forsteinrichtungsplänen nicht, wenn sie Wälder fälschlich ungeeigneten Funktionskategorien zuordnen und dadurch deren Schädigung oder Beeinträchtigung verursachen.
Die Fläche der Wälder, in denen Pflegearbeiten durchgeführt werden, ist zulasten der Waldflächen zurückgegangen, die aggressiv abgeholzt und unvollständig oder mit für die natürlichen Waldtypen ungeeigneten Arten verjüngt werden. Das heutige Forstgesetz verursacht die Schädigung vieler vom Klimawandel betroffener Wälder, während der ökologische Wiederaufbau strukturell gestörter Wälder stagniert. Die technischen Normen sind auf eine staatseigene Branche zugeschnitten, obwohl der Staat heute weniger als die Hälfte der Wälder des Landes besitzt. Wälder bedecken nur 29 % der Landesfläche; zum optimalen Bewaldungsanteil besteht eine erhebliche Diskrepanz. Die Aufforstung außerhalb des Waldbestands liegt heute auf dem niedrigsten Stand der Nachkriegsgeschichte. Bei durchschnittlich 157,5 Hektar neu angelegtem Wald in den letzten 2 Jahren würde der optimale Bewaldungsanteil von 40 % erst in 16577 Jahren erreicht. Derzeit gibt es in den Baumschulen nicht genügend Pflanzmaterial, um die für das Erreichen des optimalen Bewaldungsanteils erforderlichen Setzlinge bereitzustellen.
Infolge des übermäßigen Holzeinschlags der letzten Jahrzehnte sind die meisten Wälder jünger als 80 Jahre, liegen also unter dem Alter der Hiebsreife. In Ebenen und Hügelland besteht ein erheblicher Mangel an Waldflächen. Dadurch sind die Lebensqualität der Bürger und das Potenzial der Wälder zur Bekämpfung klimatischer, hydrologischer und geomorphologischer Gefahren deutlich gesunken, und die Biodiversität wurde beeinträchtigt. Jährlich sterben 20755 in Rumänien wohnhafte Bürger an den Folgen von Umweltverschmutzung, davon 15126 an den Folgen der Luftverschmutzung.
Agent Greens Vision steht im Einklang mit der Biodiversitätsstrategie der Europäischen Kommission für 2030 und sieht eine verpflichtende systemische Reform zum Schutz der nationalen Sicherheit sowie zur dringenden Verbesserung von Rumäniens Waldnaturerbe und zur Wiederherstellung der Ökosystemleistungen vor. Dadurch sollen die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Bedingungen für die Entwicklung des Landes gesichert werden. Die erneute Professionalisierung und Entpolitisierung der Forstverwaltung sowie ihre Umwandlung in eine staatliche Verwaltung sind wesentlich. Wälder müssen ausschließlich nach naturnahen Grundsätzen gepflegt werden, die nationale Sicherheit, wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit und den Erhalt der Biodiversität gewährleisten sowie den Beitrag von Rumäniens Wäldern zur Minderung des Klimawandels und verschiedener Naturkatastrophen erhöhen können. Mindestens 15 % der bewaldeten Fläche müssen bis 2030 schrittweise aus der forstlichen Nutzung genommen werden und zu streng geschützten Wäldern werden, die dem Erhalt der Biodiversität und als Kohlenstoffspeicher der Bekämpfung des Klimawandels dienen. Die übrigen Wälder werden darauf hinarbeiten, stufenweise mindestens 70 % des für ihre jeweilige Zusammensetzung spezifischen potenziellen Volumens zu erreichen und dauerhaft zu bewahren. Eine entscheidende Rolle spielt die Nutzung des Potenzials für nachhaltiges Wirtschaftswachstum durch Ökotourismus, ausgehend davon, dass Rumänien noch immer ein in Europa unvergleichliches Naturerbe besitzt.
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